Zum Inhalt

Archäologischer Park Neapolis in Syrakus

Neapolis war eines der fünf Viertel, aus denen das antike Syrakus in griechischer und römischer Zeit bestand. Im heutigen archäologischen Park liegen einige der bekanntesten Monumente der Stadt dicht beieinander: das griechische Theater, ein römisches Amphitheater, der Opferaltar Hierons II. und die Via dei Sepolcri. Felswände, Höhlen und alte Steinbrüche bilden dabei keine Kulisse am Rand, sondern gehören unmittelbar zum Verständnis des Ortes.

Das griechische Theater und die Stadtgemeinschaft

Das griechische Theater ist das prägende Bauwerk der Neapolis. Seine heute erkennbare Gestalt wird in das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert; ein Theater bestand an diesem Ort bereits in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Die Anlage gehört zu einer Zeit, in der Syrakus politisch und kulturell zu den bedeutenden Städten des westlichen Mittelmeerraums zählte. Theater waren Orte für Aufführungen, öffentliche Zusammenkünfte und gemeinschaftliche Rituale. Das in den Fels gearbeitete Bauwerk macht zugleich die Anpassung antiker Architektur an die natürliche Topografie sichtbar.

In der Nähe liegt das römische Amphitheater. Ebenfalls zur öffentlichen Architektur zählt der große Opferaltar Hierons II., an dem die Stadtgemeinschaft Zeremonien vollziehen konnte. Der Vergleich der drei Bauwerke zeigt verschiedene Funktionen: dramatische Aufführung, römisches Amphitheater und kultische Handlung. Gemeinsam vermitteln sie die Vielschichtigkeit des antiken Syrakus über mehrere Epochen hinweg.

Latomien und Felsräume

Die Latomien des Paradiso und von Santa Venera sind antike Steinbrüche. In ihnen sind noch Spuren des Abbaus sichtbar. Die aus dem Fels gewonnenen Blöcke dienten als Baumaterial für die Stadt; zugleich entstanden durch den Abbau große Hohlräume und steile Felswände. Zu den bekanntesten Höhlen zählen die Grotta dei Cordari und das sogenannte Orecchio di Dionisio. Diese Namen begleiten heute die Besichtigung, während die geologische Form der Höhlen aus der menschlichen Nutzung des Kalksteins hervorging.

Die Via dei Sepolcri ist ein Weg mit hellenistischem Anlagengefüge; an ihm liegen byzantinische Hypogäen. Die Tomba di Archimede, traditionell so genannt, ist ein römisches Felsgrab. Damit stehen in Neapolis antike Wege, Bestattungsräume und spätere Nutzungen nebeneinander.

Anzeige

Neapolis im größeren Zusammenhang

Der archäologische Park konzentriert sich auf die nördliche Hälfte des alten Viertels. Er ist damit ein bestimmter Ausschnitt aus der weitläufigeren Geschichte der Stadt. Für das heutige Umfeld bietet die Ortsseite zu Syrakus mit Ortigia eine ergänzende Orientierung. Der Themenführer Archäologie auf Sizilien setzt Neapolis in Beziehung zu anderen Stätten der Insel; die UNESCO-Übersicht ordnet das antike Syrakus in den Welterbe-Kontext ein.

Die besondere Wirkung der Neapolis entsteht aus dem Zusammenspiel von Architektur und Gestein. Wer Theater, Altar, Grabweg und Latomien als zusammenhängenden Stadtbereich wahrnimmt, erkennt besser, wie ein antiker Lebensraum geformt und über lange Zeit weitergenutzt wurde.