Tal der Tempel
Das Tal der Tempel ist die bekannteste archäologische Zone von Agrigent und Teil des Areals der antiken Stadt Akragas. Die griechische Kolonie wurde 580 v. Chr. von Siedlern aus Gela gegründet. Der deutsche Name des Geländes kann irreführen: Die Tempel stehen auf einer südlichen Hügelkante des antiken Stadtgebiets, nicht in einem tiefen Tal. Gerade der Blick aus der modernen Stadt erklärt, wie sich die Landschaftsbezeichnung eingebürgert hat.
Eine griechische Stadt im Mittelmeerraum
Akragas entwickelte sich zu einer der bedeutenden griechischen Kolonien Siziliens. Das antike Stadtgebiet war von einer ausgedehnten Mauer umgeben und nutzte die natürliche Form des Höhenrückens. Ab etwa 550 v. Chr. entstanden öffentliche Bauwerke und Heiligtümer. Von der späten archaischen Zeit an setzte eine Reihe monumentaler dorischer Tempel ein, die entlang der südlichen Stadtgrenze eine sakrale Landschaft formten. Die Bauwerke zeigen die politische und religiöse Bedeutung der Stadt und zugleich die handwerkliche Qualität der griechisch-sizilischen Architektur.
Zu den markanten Heiligtümern gehören der Tempel des Herakles, der Tempel der Hera und der Tempel der Concordia. Der Olympieion war eines der größten antiken Heiligtümer; sein Bau begann unter dem Tyrannen Theron zur Erinnerung an den Sieg der Griechen über die Karthager bei Himera. Daneben sind die Überreste weiterer Tempel und Kultbereiche Teil einer größeren Stadtlandschaft. Ein Besuch lässt sich daher über die berühmtesten Säulen hinaus lesen: Heiligtümer, Stadtmauer, alte Wohnquartiere und spätere Nutzungen gehören zusammen.
Vom griechischen Akragas zum römischen Agrigentum
Die Geschichte endet nicht mit der griechischen Phase. 406 v. Chr. wurde die Stadt von den Karthagern zerstört. In hellenistischer Zeit entwickelte sich Akragas erneut; 210 v. Chr. eroberten die Römer die Stadt, die nun Agrigentum hieß. Forum, Wohnquartier und öffentliche Gebäude zeigen den Wandel unter römischer Herrschaft. In der Spätantike entstanden auf dem südlichen Hügel außerdem umfangreiche Gräberfelder und in den Fels gehauene Grabkammern. Die archäologische Stätte erzählt so von mehreren aufeinanderfolgenden Kulturen, nicht nur von einer einzigen Glanzzeit.
Für den Gesamtzusammenhang eignet sich der Überblick zur Archäologie auf Sizilien. Die Stadt Agrigent bildet dazu einen eigenen heutigen Ortsbezug. In der Reihe der UNESCO-Stätten auf Sizilien zeigt die Tempelzone, wie antike Stadtgeschichte und Landschaftsschutz gemeinsam gedacht werden.
Die Tempel im Landschaftszusammenhang erleben
Der Begriff „Tal der Tempel“ fasst ein räumlich ausgedehntes Ensemble zusammen. Die weithin sichtbaren Tempel sind nur ein Teil der archäologischen Fläche, zu der auch städtische und funeräre Bereiche gehören. Die Tempelzone vermittelt besonders eindrücklich, wie öffentliche Architektur in das Gelände eingebunden wurde: Die Sakralbauten folgen dem Höhenzug und begleiten die antike Stadtmauer. Diese Lagebeziehung ist ein wichtiger Schlüssel, um Akragas als Stadt zu verstehen und nicht nur einzelne Monumente zu betrachten.
Wer den Ort mit weiteren archäologischen Zielen vergleicht, erkennt den Unterschied zu einer römischen Landvilla oder einem Theaterquartier. So wird die Besichtigung zu einem Einstieg in die griechische Urbanistik Siziliens und zugleich in die lange Umgestaltung der Stadt bis in römische und spätantike Zeit.