Castel di Lucio: Kunst, Kirchen und Dorfgeschichte
Castel di Lucio verbindet sakrale Baukunst, zeitgenössische Kunst und überlieferte Dorfkultur zu einem vielseitigen Reiseziel im sizilianischen Hinterland. Sie entdecken hier nicht nur historische Kirchen, sondern auch Kunstwerke an der Straße, ein Museum mit mehr als 80 zeitgenössischen Arbeiten, alte Gassen und eine naturalistische Route mit klar dokumentierten Maßen. Dadurch lässt sich der Aufenthalt zwischen Kultur, Landschaft und lokalen Traditionen gestalten.
Kunst zwischen Museum und Straße
Ein guter Ausgangspunkt ist das Museo Civico Castelluzzo, das am 28. August 2021 eröffnet wurde. Es umfasst mehr als 80 Werke aus verschiedenen Ausdrucksformen der zeitgenössischen Kunst. Gezeigt werden Arbeiten lokaler Künstler neben Werken von Künstlern mit nationalem und internationalem Renommee. Das Museum bietet damit einen Einblick in unterschiedliche künstlerische Perspektiven, ohne Castel di Lucio von seiner eigenen lokalen Prägung zu lösen.
Auch außerhalb des Museums begegnet Ihnen Kunst im öffentlichen Raum. Das Labirinto di Arianna von Italo Lanfredini aus dem Jahr 1989 ist über eine Nebenstraße vor dem Ortszentrum erreichbar und überblickt das Tal sowie das Dorf. Auf der S.P. 176 in Richtung Castel di Lucio liegt Una curva gettata alle spalle del tempo, die Paolo Schiavocampo 1988 geschaffen hat. Sie ist das erste Fiumara-d’Arte-Kunstwerk, auf das man auf dieser Strecke trifft. Am Ortseingang befindet sich außerdem Arethusa, 1989 von Pietro Dorazio und Graziano Marini geschaffen. Das Werk gestaltet die dortige Carabinieri-Kaserne als kulturellen Bezugspunkt und Besucherattraktion.
Kirchen mit vielen Zeitschichten
Die Chiesa Madre steht an der Piazza Umberto I. Sie wurde zwischen 1499 und 1500 auf einem verlassenen Gebäude gegründet. Ihre Bauarbeiten dauerten wegen fortlaufender struktureller Veränderungen, Einstürze, Brände und Anpassungen an die jeweiligen Baustile über Jahrhunderte. In einer ihrer Kapellen befindet sich ein Marmorpolyptychon von Bonifazio und Antonino Gagini, das das Ziborium einschließt.
Die Chiesa di San Carlo Borromeo wurde zwischen 1619 und 1624 erbaut. Ihr Gewölbe malte Salvatore De Caro 1881 mit Fresken aus. In dieser Kirche werden traditionelle religiöse Bräuche wie die Quarantore in der Zeit vor der Fastenzeit gefeiert. Das Oratorio del SS. Sacramento, ehemals Chiesa di San Vincenzo, beherbergt eine Orgel aus dem Jahr 1792. Die Chiesa di Santa Lucia stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Die Chiesa di Sant’Antonio da Padova beherbergt eine Statue des heiligen Antonius, die Giuseppe und Giovan Battista Livolsi 1601 schufen. Nach der Überlieferung hielt sich der heilige Antonius während seiner Sizilienreise im Jahr 1217 an dem Ort auf, an dem die Kirche steht. Die Chiesa di San Nicola ist das älteste religiöse Bauwerk von Castel di Lucio und entstand vor 1570; ihr Glockenturm wurde zwischen 1831 und 1832 erbaut.
Die Chiesa di Santa Maria la Raccomandata wurde im 16. Jahrhundert als überdachter Friedhof für das damalige Viertel gegründet. Ihr Bildnis wurde bei Prozessionen auf einer Bahre getragen, an deren Baldachin zwölf Glöckchen befestigt waren. Die Chiesa di Maria SS. del Soccorso bietet von ihrem Vorplatz einen Ausblick auf die Architektur des Dorfes und die umgebende Natur.
Dorf, Handwerk und lokale Spezialitäten
Vom Castello dei Ventimiglia ist nur noch der gut erhaltene zylindrische Turm erhalten; er beherrscht das Dorf Castel di Lucio. Der Zugang zum Castello ist kostenpflichtig. A Vanedda besteht aus alten Gassen, die zwischen historischen Steinhäusern verlaufen und einen eigenen Einblick in die gewachsene Dorfstruktur geben.
Castel di Lucio bewahrt traditionelle Handwerke wie Weberei und Steinmetzarbeiten. Zur überwiegend landwirtschaftlich geprägten Milchwirtschaft gehören außerdem die Herstellung von Käse und Provola. Mit der Festa di San Pietro e Paolo am 29. Juni zeigt sich ein weiterer Bestandteil des lokalen Jahreskalenders.
Orientierung und Ausflüge
Vom Hauptplatz aus sind das Convento dei Frati Minori und die Chiesa di Maria SS. del Soccorso über die Via Vittorio Emanuele und einige Nebenstraßen zu Fuß erreichbar. Die Chiesa della Madonna del Soccorso ist weiterhin regelmäßig für den Gottesdienst geöffnet. Für die Anreise ist außerdem der Bahnhof Tusa an der Bahnstrecke Palermo–Messina relevant, der Castel di Lucio bedient.
Wer die Landschaft auf einer festgelegten Route erkunden möchte, findet mit Pantani-Provitina-Portella eine naturalistische Strecke, die mit einer Exkursion ab Castel di Lucio verbunden ist. Sie ist 10 Kilometer lang und weist 400 Höhenmeter auf.
Für die weitere Sizilien-Recherche können Sie auch Brolo, Tripi, Rinella, Nizza di Sicilia, Ficarra, Castello, Roccella Valdemone und Montagnareale einbeziehen.
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