Scicli: Barockes Sizilien zwischen Kunst und Küste

Scicli liegt im Val di Noto und ist ein Reiseziel zur Entdeckung des barocken Siziliens. Die Stadt ist eine der acht städtischen Teilkomponenten des UNESCO-Welterbes „Spätbarocke Städte des Val di Noto“. Zugleich verfügt Scicli über 20 Kilometer Küste, 18 Kilometer feine Sandstrände und vier Badeorte. Damit treffen historische Stadtbilder, Kunst und Küstenlandschaft aufeinander – eine vielseitige Grundlage für eine Reise, bei der sich unterschiedliche Interessen verbinden lassen.

Barocke Stadt und besondere Kunstorte

Ein prägendes Ensemble bildet die Via Francesco Mormino Penna mit ihren aristokratischen Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert. Die Chiesa di Santa Teresa ergänzt dieses Stadtbild mit dekorativer Kunst, einer ausgemalten Gewölbedecke und weißen Steindekorationen an den Säulen. Besonders auffällig sind die geometrischen Intarsien aus schwarzem und weißem Stein im Fußboden der Kirche.

Auch die Chiesa di San Giovanni Evangelista besitzt eine reich gestaltete Innenausstattung mit Stuck und Vergoldungen. In der Kirche befindet sich außerdem ein aus Spanien stammendes Werk des 17. Jahrhunderts, der sogenannte „Cristo di Burgos“. Es stellt Christus am Kreuz im Priestergewand dar; diese Ikonografie gilt in Italien als sehr selten.

Für Kunstinteressierte bietet der Palazzo Spadaro einen eigenen Schwerpunkt: Dort werden Werke von Künstlern der Gruppo di Scicli gezeigt, darunter Piero Guccione und Franco Sarnari. Das Museo del Costume di Scicli widmet sich der Geschichte der Kleidung vom 18. Jahrhundert bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hinzu kommen Objekte zur volkstümlichen Stick- und Webtradition sowie weitere Exponate der materiellen Kultur.

Im Palazzo Bonelli-Patanè steht ein Interieur im Liberty-Stil mit Stuck und wertvollen Möbeln im Mittelpunkt. Zum Bestand gehören außerdem Gemälde von Raffaele Scalia, die zwischen 1928 und 1938 entstanden. La Stanza del Questore bewahrt originale Einrichtungsgegenstände aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie Werke lokaler Künstler. So reicht das kulturelle Spektrum von barocker Architektur über regionale Traditionen bis zur Kunst des 20. Jahrhunderts.

Küste, Natur und markante Landschaften

Die Küste ist ein eigenständiger Teil des Reiseziels. Neben den 18 Kilometern feiner Sandstrände gehören vier Badeorte zum Küstenprofil von Scicli. Eine andere Landschaft zeigt das Naturschutzgebiet Macchia Foresta del Fiume Irminio. Es schützt die Flussmündung und eine mediterrane Küstenlandschaft mit Sandufern, ins Meer abfallenden Klippen und wandernden Dünen.

Auch im Landesinneren und an den felsigen Landschaften treten besondere Formen hervor. Die Cava di San Bartolomeo ist eine natürliche Schlucht, die durch den Bach San Bartolomeo im Kalkstein entstanden ist. Chiafura wiederum ist eine Felsensiedlung byzantinischen Ursprungs, die bis in die 1950er-Jahre bewohnt war. Beide Orte stehen für eine Landschaft, deren Geschichte eng mit Fels, Wasser und menschlicher Besiedlung verbunden ist.

Kirchen, Feste und ein bekanntes Filmmotiv

San Matteo erhebt sich auf dem Hügel oberhalb der Stadt und war bis 1874 die Hauptkirche von Scicli. Religiöse Traditionen prägen auch den Festkalender. Das Fest der Madonna delle Milizie findet am letzten Samstag im Mai statt. Es umfasst eine szenische Nachstellung, deren Höhepunkt die wundersame Erscheinung der auf einem Pferd reitenden Jungfrau bildet.

Im März findet die Cavalcata di San Giuseppe statt, eine Pferdeprozession mit Blumenschmuck, die an die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten erinnert. Ein weiteres Motiv für Kulturinteressierte ist das Commissariato di Vigata im Erdgeschoss des Rathauses von Scicli aus dem frühen 20. Jahrhundert. Es stellt die Polizeiwache aus der Fernsehserie „Il Commissario Montalbano“ dar.

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