Agira: Geschichte, Aussicht und sizilianische Spezialitäten
Agira verbindet eine vielschichtige Geschichte mit markanten Sakralbauten, Museen, regionaler Küche und einem weitreichenden Landschaftsblick. Wenn Sie Sizilien nicht nur über bekannte Küstenorte kennenlernen möchten, führt die Beschäftigung mit Agira zu besonderen Zeugnissen jüdischer Geschichte, zu Spuren griechischer und benediktinischer Traditionen sowie zu einem charakteristischen Gebäck des Ortes.
Landschaft über den Ebenen Siziliens
Ein Aussichtspunkt auf 824 m Höhe bei Agira eröffnet einen Blick auf die Gipfel der Madonie und der nahen Nebrodi, auf den Ätna, die künstlichen Seen Pozzillo und Sciaguana sowie auf die Ebenen von Caramitia und Dittaino.
Geschichte mit ungewöhnlichen Zeugnissen
Zu den markantesten historischen Stücken gehört der Aron von Agira. Er wurde 1454 gefertigt und diente ursprünglich zur Aufbewahrung der Torarollen. Nach dem Edikt von 1492 gilt er als der einzige in Sizilien erhaltene Aron. Seine Bedeutung liegt damit nicht allein im Alter, sondern auch in der Verbindung von Handwerk, jüdischer Geschichte und der wechselvollen Vergangenheit der Insel.
Ein weiteres Kapitel der Ortsgeschichte erinnert an den Sizilienfeldzug. Danach beschlossen die Verantwortlichen, die Gräber der im Kampf auf der Insel gefallenen Kanadier auf einem Friedhof zusammenzuführen. Kanadische Offiziere wählten den Standort in Agira im September 1943 aus. Das historische Interesse an Agira umfasst damit sowohl ältere religiöse Zeugnisse als auch die Erinnerung an die Ereignisse des 20. Jahrhunderts.
Kirchen, Klostertraditionen und Ortskern
Die Chiesa del SS. Salvatore steht im ursprünglichen Siedlungskern von Agira unterhalb des vom Castello eingenommenen Berges und unmittelbar neben den erhaltenen Resten der Burgmauer. Wer die bauliche Geschichte des Ortes betrachtet, findet hier die enge Verbindung von Siedlungskern, Burgbereich und religiösem Bau.
Die Abbazia di San Filippo steht auf den Resten eines griechischen Klosters, das zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert nach der basilianischen Regel außerhalb der Ortschaft am Fuß des Monte di Agira gegründet wurde. Die Strukturen des Klosters San Filippo wurden zwischen 1095 und 1101 restauriert und Benediktinern anvertraut. In der Chiesa di San Filippo erwartet Sie ein dreischiffiger basilikaler Innenraum mit Säulen aus rotem Marmor. Der halbrunde Chor besitzt 25 Sitze, die wichtige Stationen aus dem Leben des heiligen Filippo darstellen.
Museen und Geschmack von Agira
Das Museo di Cultura Materiale Nasca zeigt Werkzeuge, Handwerkswerkstätten, Musikinstrumente sowie historische und fotografische Dokumente zum häuslichen und bäuerlichen Leben in Agira. Ergänzend vermittelt das Museo naturalistico-ambientale Diodoro Siculo einen naturkundlichen Schwerpunkt. Es ist montags bis freitags von 9:00 bis 13:00 Uhr geöffnet; samstags und sonntags ist eine Öffnung nach vorheriger Reservierung möglich.
Zur kulinarischen Seite des Ortes gehören die Cassatelle di Agira. Die alten, halbmondförmigen Süßgebäcke bestehen aus zartem Mürbeteig und sind mit Kakao, gehackten Mandeln, Kichererbsenmehl, Zucker und getrockneter Zitronenschale gefüllt; gelegentlich kommt Zimt hinzu. Gerade diese ungewöhnliche Füllung unterscheidet die Spezialität von gewöhnlichem Kleingebäck und macht sie zu einem eigenen geschmacklichen Merkmal Agiras.
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