Burgen und Schlösser auf Sizilien: Wehrbau, Macht und Landschaft
Die Burgen Siziliens stehen in sehr unterschiedlichen Landschaften. Das Castello di Lombardia erhebt sich auf dem Höhenrücken über Enna; in Sperlinga sind Räume in den Fels gearbeitet. Im Süden liegt das Castello Chiaramontano mitten im Stadtbild von Naro, während bei Mussomeli das Castello Manfredonico auf einem steilen Felsvorsprung sitzt. Diese Beispiele aus Enna, Agrigent und Caltanissetta verbinden Wehrbau mit politischen Zentren und Siedlungen, die sich über viele Jahrhunderte entwickelten.
Die Burganlage liegt auf einem felsigen Höhenzug über der grünen Landschaft bei Enna.
Foto: Alesia Belaya
Enna: Burgen auf Fels und Hochflächen
In Enna verbindet das Burgenland Enna mehrere unterschiedliche Anlagen. Das Castello di Lombardia liegt auf dem Felsrücken über der Stadt und folgt einem fünfeckigen Grundriss mit quadratischen Türmen. Von den einst zwanzig Türmen sind sechs sichtbar; zu den vergleichsweise gut erhaltenen zählt die Torre Pisana, auch Torre delle Aquile genannt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war die Burg ein politischer Ort: Friedrich II. von Aragón hielt sich dort auf, sein Sohn Peter II. nutzte den Komplex ebenfalls als Residenz, und 1458 trat hier das sizilianische Parlament zusammen. Enna und sein Hochland zeigen, wie stark die hoch gelegene Stadt von ihrer Landschaft geprägt ist.
Weiter nördlich liegt Sperlinga. Die Burg nutzt den Fels als Teil ihrer Architektur: natürliche Hohlräume und in den Stein gearbeitete Räume gehen in die befestigten Bauteile über. Vor der Entstehung des heutigen Ortes im Jahr 1597 bestanden dort die Festung und wenige Häuser an ihrem Fuß. Eine lateinische Inschrift über dem Eingang wird nicht als zeitgenössisch zum frühen Burgbau eingeordnet, sondern dem späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert zugeschrieben. Die Geschichte Sperlingas hängt eng mit den Familien zusammen, die Burg und Lehen besaßen. In der weiteren Region bietet Piazza Armerina einen Vergleich mit einer anderen Stadt- und Baugeschichte des Binnenlands.
Agrigent: Herrschaftsburgen zwischen Küste und Hinterland
Das Castello Chiaramontano prägt die Silhouette von Naro. Die Familie Chiaramonte herrschte im 14. Jahrhundert über den Ort; gotische Öffnungen erhellen den großen Saal des Prinzen. Die Burg steht nicht isoliert außerhalb der Stadt, sondern gehört zu einem Gefüge aus Kirchen, Klöstern und Straßenräumen. Einen anderen Eindruck vermittelt Caltabellotta: Auf dem Berg über dem Ort liegen die Reste einer Burganlage mit einem normannischen Turm. Der Platz war 1194 Zuflucht von Königin Sibylla und ihrem Sohn Wilhelm III.; beide wurden dort gefangen genommen und nach Deutschland gebracht. Die Provinz Agrigent reicht von der Küste und dem Tal der Tempel bis in dieses gebirgige Hinterland. Die Burgen in Agrigent verbinden städtische Herrschaftssitze wie Naro mit Höhenburgen wie Caltabellotta.
Caltanissetta: Felsburgen im Inselinneren
Die Ruinen des Castello di Pietrarossa liegen am historischen Stadtkern von Caltanissetta. 1358 versammelten sich dort vier mächtige sizilianische Adelsfamilien, um über die politische Zukunft der Insel zu beraten. Das Erdbeben von 1567 beschädigte die Burg schwer; die Ruinen blieben Teil des Stadtbilds nahe Santa Maria degli Angeli. In Mussomeli erhebt sich das Castello Manfredonico auf einem steilen Felsvorsprung. Manfredi III. Chiaramonte ließ die Burg 1364 errichten; 1374 hielt sich König Friedrich von Sizilien mit seinem Hof dort auf. Die Felslage unterscheidet die Anlage von Pietrarossas Einbindung in den historischen Stadtkern. Die Provinz Caltanissetta umfasst neben dem Hochland auch Gela an der Südküste; die Burgen in Caltanissetta führen die Beispiele aus diesem Gebiet zusammen.
Burgen in den größeren Reisezusammenhang stellen
Die genannten Orte lassen sich mit unterschiedlichen Themen Siziliens verbinden: Enna steht für eine Höhenstadt mit antikem und mittelalterlichem Erbe, Naro für einen städtischen Herrschaftssitz, Caltabellotta für eine Bergfestung und Mussomeli für einen Burgbau auf einem Felsvorsprung. Diese Unterschiede ergänzen die Tempel, Kirchen und historischen Stadtkerne der Insel. Burgen gehören neben antiken Stätten und historischen Städten zu den Sehenswürdigkeiten Siziliens, die sich nach Region als Reiseschwerpunkte verbinden lassen. So erzählt die Burgenlandschaft nicht von einem einheitlichen Befestigungssystem, sondern von sehr verschiedenen Orten und ihren jeweiligen politischen Geschichten.